Beethoven, Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 "Eroica"

Aus der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Rom

08.12.2017 | 17:20 Uhr

Im Januar 1805 wurde die "Eroica" in Wien uraufgeführt. Leidenschaftliche Vorkämpfer oder erbitterte Gegner fand sie nicht; man nahm sie gedankenlos hin und zog ihr zunächst Modeschöpfungen vor. Beethoven hatte sie einem Helden gewidmet mit der Überschrift: "Sinfonia eroica, composta per festeggiare il sovvenire di un grand uomo" (Heldenhafte Sinfonie, komponiert, um die Erinnerung an einen großen Menschen zu feiern). Dieser "große Mensch" war zweifellos Napoleon. Beethoven soll nach der Kaiserkrönung Napoleons das Manuskript voller Wut zertrampelt haben, weil er sie als Verrat an den Idealen der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - ansah.
Claudio Abbado, geboren 1933 in Mailand, war einer der berühmtesten Konzert- und Operndirigenten. Großes Einfühlungsvermögen und jahrzehntelange Erfahrung zeichneten ihn als bedeutenden Musiker aus. Claudio Abbado gab 1960 sein Debüt am Teatro alla Scala in seiner Heimatstadt und war von 1968 bis 1986 Musikdirektor dieses Hauses. Er leitete 1965 zum ersten Mal die Wiener Philharmoniker und war von 1986 bis 1991 Musikdirektor der Wiener Staatsoper. 1966 stand er zum ersten Mal am Pult des Berliner Philharmonischen Orchesters, das ihn 1989 als Nachfolger Herbert von Karajans zu seinem ständigen Dirigenten und Künstlerischen Leiter wählte.
Von 1979 bis 1988 war er Chefdirigent des London Symphony Orchestra. 1981 gründete er das Chamber Orchestra of Europe, das aus dem European Community Youth Orchestra hervorging und 50 Musiker aus 15 Ländern umfaßt. 1986 gründete er das Gustav Mahler Jugendorchester mit dem Ziel, junge Talente aus verschiedenen Ländern zu fördern. Von 1994 bis 2002 war Claudio Abbado künstlerischer Leiter der Salzburger Osterfestspiele. 1997 gründete er das Mahler Chamber Orchestra.
Nach seinem Abschied aus Berlin 2002 übernahm Claudio Abbado 2003 die Leitung des Lucerne Festival Orchestra, das an die große Tradition des einst für Arturo Toscanini gegründeten Schweizerischen Festspielorchesters anknüpft. Seit 2004 leitete er außerdem das von ihm gegründete Orchestra Mozart Bologna. Sein Repertoire umfaßte Werke von J.S. Bach bis Nono.
Claudio Abbado erhielt zahlreiche bedeutende Preise und Auszeichnungen, darunter den Ernst von Siemens Musikpreis und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Italiens Präsident Giorgio Napolitano ernannte ihn zum Senator auf Lebenszeit.
Claudio Abbado starb am 20. Januar 2014 in Bologna.
Ende der 80er Jahre erschien Claudio Abbados erste Gesamteinspielung der neun Beethoven-Symphonien. Damals spielten die Wiener Philharmoniker. Über zwei Jahrzehnte später folgte die zweite Gesamtaufnahme, diesmal mit den Berliner Philharmonikern. Abbado griff dafür auf Jonathan Del Mars neue quellenkritische Ausgabe der Symphonien zurück. Im Februar 2001 führte er die Werke mit dem renommierten Orchester in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom auf.
"Werden die Symphonien derart menschennah auf den Punkt gebracht wie von den Berlinern unter Abbado, dann kann kaum etwas Lebendigeres, Unverbrauchteres gedacht werden. Abbado und das Orchester in kleiner Besetzung (konsequent benutzt man die Ausgabe Jonathan Del Mars), sie legen die unerhörte emanzipatorische Kraft dieser Musik offen - ihre Energie und radikale Universalisierung der Stimmen, die Schärfe rhythmischer Figuren, die bis dahin nie gehörte Dynamisierung der Musik. Genauso ihre Kantabilität und Schönheit." (Süddeutsche Zeitung)
Die Berliner Philharmoniker zählen zu den besten Orchestern der Welt. Der 1. Mai 1882 gilt als ihr Gründungstag. 54 Musiker hatten sich damals von der Kapelle des Dirigenten Benjamin Bilse getrennt und beschlossen, ein eigenes Orchester in Selbstverwaltung zu gründen. Die ersten Konzerte fanden unter dem Namen "Frühere Bilsesche Kapelle" im Charlottenburger Gartenlokal "Flora" statt. Künstlerischer Leiter war der Dirigent Ludwig von Brenner. Als Gastdirigenten traten berühmte Komponisten wie Peter Tschaikowsky, Johannes Brahms und Edvard Grieg auf, die ihre eigenen Werke dirigierten.
Wenige Jahre später wurde der Name in Berliner Philharmonisches Orchester geändert. Der erste Dirigent des neuen Klangkörpers war der berühmteste Orchesterleiter seiner Zeit: Hans von Bülow. Seine Nachfolger trugen ebenfalls große Namen: Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Leo Borchard und Sergiu Celibidache, schließlich Herbert von Karajan, Claudio Abbado und - seit der Spielzeit 2002/03 - Sir Simon Rattle.
Diese Aufnahme entstand in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Rom.

Länge des Programms:
00:53:45
Dirigent:
Claudio Abbado
Orchester:
Berliner Philharmoniker
Bildregie:
Bob Coles
Land, Jahr:
D, 2001
Zurück zur Übersicht